100 Jahre Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften e.V.

Kinder der Not | 1844: Die „redlichen Pioniere on Rochdale“ | 1850: „Lebensmittelassociation“ in Eilenburg | 1867: Preußisches Genossenschaftsgesetz | 1894: „Großeinkaufsgesellschaft deutscher Consumvereine“ | Über 50 Produktionsbetriebe | 1899: Genossenschaftsgründungen in Hamburg, Berlin und Kiel | Gewerkschaften und Genossenschaften | 1. Weltkrieg: Fleischkonserven für die Front | Verkauf nur an Mitglieder | 1933: Kampf der Nationalsozialisten gegen die Konsumgenossenschaften | 1945: Neuer Anfang | Westdeutschland: Umwandlung in Aktiengesellschaften | Genossenschaften geblieben | Ostdeutschland: Turbulenzen der Wende | Die Genossenschaftsidee lebt

Kinder der Not

Konsumverein
"Wie der Magnet des Profits arbeitet"

Die Konsumgenossenschaften sind ein Kind der Industrialisierung, überall in Europa. Im 19. Jahrhundert bildeten sich industrielle und gewerbliche Schwerpunkte heraus. Die Arbeitskräfte wurden von weit her angezogen. Sie waren zwar der Not auf dem Lande entgegangen, fanden sich aber wieder in engen und schlecht ausgestatteten Wohnungen und in Arbeitsverhältnissen, in denen sie weitgehend rechtlos waren. Ihren Bedarf an Lebensmitteln deckten sie bei Krämern, bei denen sie mangels Zahlungsmitteln oft anschreiben ließen und damit auch von diesen abhängig wurden. Die Krämer, auch Heringsbändiger genannt, waren bekannt dafür, dass sie nicht ordentlich wogen und dass die von ihnen verkauften Lebensmittel nicht selten verfälscht oder verdorben waren. Gips wurde dem Mehl beigefügt, gemahlener Kaffee mit Sand gestreckt, alter Fisch unter Zuhilfenahme von Rindsblut für frisch verkauft, Nudeln bekamen ihre gelbe Farbe durch Urin und Schokolade wurde mit Hammel- oder Kalbsfett hergestellt.

Zu der bedrückenden Abhängigkeit am Arbeitsplatz ohne Tarif und ohne Kündigungsschutz, in der Wohnung ohne Mieterschutz kam die ebenso drückend empfundene Abhängigkeit vom Krämer, die das Leben nur schwer erträglich machte.

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